Oggersheim

Im Traum fordert mich Hannelore Kohl zum Tanz auf (ich habe neulich eine Doku über sie gesehen). Wir befinden uns in einem leergeräumten Wohnzimmer, die Stühle sind zur Seite gestellt, am Fenster steht das Buffet, und wir tanzen einen Standardtanz, den ich nicht beherrsche. Das ist umso unglücklicher, als Hannelore mir – natürlich – die Rolle der Führenden zuweist. Sie schmiegt sich in meine Arme, fast vergräbt sie sich darin, aber immer im Rahmen des Korrekten. Ihre Haltung ist aufrecht, die Linke ruht auf meiner Schulter, und mir bleibt nichts übrig, als meine Rechte um ihren Leib zu legen. Hannelores Kleid ist kühl und glatt wie ein Faschingskostüm – aus einem Stoff, den man im echten Leben nicht trägt. Ihr Haar ist ein silberblonder Turm zu Babel, ihre Augen sind groß und blau und eindringlich.
Die arme Frau, möchte ich denken, armes, relatives Geschöpf (wie Alice Schwarzer es in der Doku formuliert hat) – wenn sie mich nicht in der Klammer hätte. Ihr Gesicht ist mir so nah, dass sich beim Sprechen unsere Wangen berühren und fast unsere Lippen. Hannelores Lippen und Wangen sind stark geschminkt, aber es ist gutes Make-up, das nicht abfärbt und eine besonders plastische Wirkung hat. Ich tanze mit einem sorgsam hergerichteten Kunstwesen, das kaum Körperwärme zu enthalten scheint, aber trotzdem – überdeutlich – in meinen Armen liegt.
Die arme Frau, möchte ich denken.
Mal was anderes als immer dieser Standard mit dem Mann, seufzt Hannelore Kohl mit ihrer Konversationsstimme und lacht ein wenig.