Kontaktanzeigen oder: Anderen geht’s auch nicht gut

Eines Abends stand ich unter den erleuchteten Fenstern einer vergangenen Liebe auf der Straße, als mich ein alter Mann ansprach, der mit zwei prallen Tüten des Wegs kam: „Na, junge Frau, so traurig und allein? Ich hab’s auch schwer. Sehen Sie, ich habe mich eben von meiner Freundin getrennt. Ich hab sie nämlich beim Rauchen erwischt. Dabei hab ich klar und deutlich in der Anzeige geschrieben: kein Rauchen und keine Tiere! Es war ihr 66. Geburtstag heute, wir haben gefeiert, und sie setzt sich draußen mit ihrer Tochter hin und raucht und denkt, ich merk’s nicht. Ich bin ihr nachgeschlichen und wusste gleich, dass sie gelogen hat. In der Anzeige stand: kein Rauchen und keine Tiere! Ich bin die letzten vierzehn Tage fast immer bei ihr gewesen, ich hab sie wirklich geliebt. Aber jetzt weiß ich, dass sie mich angelogen hat, als sie meinte, sie raucht nicht mehr. Ich hab mein Zeug gepackt und bin gegangen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, merken Sie sich das, junge Frau! Na, ich hab noch eine zweite Telefonnummer – da ruf ich morgen an und frage, ob wir uns mal treffen wollen. Das ist ’ne Deutschrussin. Sie arbeitet als Putzfrau, und ich sitz zu Hause und bin Rentner, das passt eigentlich nicht zusammen. Aber jetzt ruf ich sie noch mal an.“
An diesem Punkt verabschiedete ich mich von dem Herrn sowie dem Gedanken, meine alte Liebe sehen zu müssen, und ging nach Hause.

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